Speaker-Dinner auf WordCamps

Speakers-Dinner auf WordCamps sind exklusive Veranstaltungen, die Teilnehmer eines WordCamps von der Teilnahme ausschließen. Warum also führen wir Speakers-Dinner in der WordPress Community durch?

Zugegeben, ich bin sehr oft auf WordCamps. An meiner Lampe im Esszimmer hängt ein dicker Batzen WordCamp Badges, meine kleine Trophäensammlung für die bisher besuchten WordCamps dieser Welt. Manche halten mich vielleicht für verrückt, aber ich halte es für eine sehr sinvolle Art zu netzwerken und die Community kennenzulernen.

Aber gerade deshalb fallen mir immer wieder kleinere Dinge auf, die anderen vielleicht nicht auffallen, die seltener bei WordCamps sind. In diesem Fall ist es ein ganz bestimmtes Event auf WordCamps, was mich ganz besonders stört und mich jetzt endlich veranlasst hat diesen Beitrag zu schreiben.

Auf WordCamps außerhalb von Deutschland gibt es seit langem sogenannte Speakers-Dinner. Diese Speakers-Dinner sind in der Regel dazu da, Speakern, Voluntären und auch Sponsoren „Danke“ zu sagen. Den Unterstützern eines WordCamps „Danke“ zu sagen ist natürlich nichts verwerfliches, im Gegenteil. Allerdings störe ich mich an der Tatsache, dass dies in Form eines Speakers-Dinner auf einer geschlossenen Veranstaltung geschehen muss.

Das Speakers-Dinner findet meist ein Tag vor dem eigentlichen WordCamp statt. Wenn man bedenkt, dass die meisten Besucher eines WordCamps  an diesem Abend schon angereist sind, hat dies meist einen negativen Nebeneffekt: Die Community wird gespalten. Das hört sich jetzt sehr theoretisch an, allerdings hat das ganze auch ganz praktische Auswirkungen. Es gibt eben keine WordPress Community, in der es auf der einen Seite nur die Veranstalter und auf der anderen Seite nur die Besucher gibt. Die Teilnehmer an einem WordCamp, welcher Art auch immer, sind untereinander befreundet, vernetzt und unterschiedlich an einem WordCamp beteiligt.

Mir selber und auch anderen ist es nicht nur ein mal passiert, dass dadurch Teilnehmer am Ende des Tages alleine durch die Stadt wandern oder ihren Abend in dem Hotel verbringen, da die Leute mit denen sie da sind an einer Veranstaltung teilnehmen, zu dem sie keinen Zugang haben. Meiner Meinung nach ist das nicht im Sinne der Community. Im Gegenteil: In dem „WordCamp Organizer Handbook“ ist die Rede von „Inclusive and welcoming events„, welche WordCamps sein sollen. In dem Fall widerspricht sich an der Stelle  die Community selbst mit ihren eigenen Regeln und das mit ganz praktischen Folgen.

Ein Beispiel dass diese Inklusivität im Regelfall auch durchgesetzt wird, ist das „WordCamp im Grünen“. Zunächst hatten wir eine Location, mit einer sehr schönen Atmosphäre, denn es war ein Kloster, welches seine Räumlichkeiten an Firmen, Organisationen und andere vermietet. Das Areal war wunderschön und hatte ein, wie ich mir habe sagen lassen, ganz eigene und schöne Atmosphäre. Diejenigen die es besucht haben, waren begeistert. Allerdings ist der gesamte Komplex Katholisch geprägt. Nach Rücksprache mit dem WordPress Community Support wurde uns gesagt, dass dort ein WordCamp nicht stattfinden darf, da es Leute ausschließen würde, die nicht Katholischen Glaubens sind. Und das obwohl es dort sogar einen Gebetsraum für Muslime gab.

Warum also werden exklusive Veranstaltungen wie das Speakers-Dinner durchgeführt?

Noch einmal, ich bin absolut nicht dagegen, denen die ein WordCamp ermöglichen eine gewisse Aufmerksamkeit oder Dankeschön zukommen zu lassen, das erwarte ich sogar. Und wenn es darum geht, dass andere Speaker einmal persönlich kennenzulernen, dann gibt es da sicherlich noch andere Möglichkeiten. Dazu brauch es kein Speaker-Dinner. Es ist sicherlich eine schöne Erfahrung an einem solchen Event teilzunehmen mit all den wichtigen Leuten aus der WordPress Community, aber es entspricht nicht dem offenen und inklusiven Gedanken einer Open-Source Community.

Eine Alternative wäre ein Warm-Up Abend, wie er schon auf einigen anderen WordCamps stattgefunden hat. Erwartungsgemäß treffen dort ein Drittel der Teilnehmenden eines WordCamps ein. Das ist, nehmen wir das WordCamp EU und WordCamp US einmal aus, ungefähr die Menge an Leuten, die auch an einem Speakers-Dinner Abend teilnehmen, nur eben offen für alle und der Harte Kern der Community ist dort ebenfalls anzutreffen.

4 Antworten auf „Speaker-Dinner auf WordCamps“

  1. Du sprichst mir und vielen anderen aus der Seele. Mir geht es sehr ähnlich. Gerade eben hatte ich aber ein Gespräch mit jemanden, der diese spezielle Atmosphäre sehr produktiv findet. Die Geschmäcker sind eben sehr verschieden.

    Ich fand ja meine Erfahrung aus Bilbao letztes Jahr sehr lehrreich. Da gab es ein Warm Up und im Anschluss auch noch ein Speakers Dinner. Das Tolle am Warm Up war, dass es nicht nur für alle Teilnehmer des WordCamp war, sondern für die gesamte lokale Community. Also zum Beispiel auch Teilnehmer des Meetups, die kein Ticket hatten.

    Eine von einigen diskutierte Variante ist auch, dass man ein gemeinsames Dinner hat, bei dem man die Kosten für Speaker, Volunteers und Co. übernimmt, bei dem aber alle teilnehmen dürfen. Das könnte funktionieren, wenn das WordCamp nicht zu groß wird. Für ein WordCamp Europe wäre es wohl nicht wirklich machbar. Da ist es ja schon schwer, für die mehr als 300 Teilnehmern des Speaker Dinner einen Ort zu finden.

    1. Ja bei einem derart großem WordCamp ist das auch schwierig. Deßhalb fande ich die Variante beim letzjährigem WordCamp EU in Wien auch nicht schlecht, wo man einfach eine Reihe von Warmup Veranstaltungen gemacht hat.

  2. was Du sagst!

    Ich bin sehr froh, das sich ein Speaker-Dinner bei den deutschsprachigen WordCamps bisher nicht durchsetzen konnte. Mir will spontan keine WordCamp in Deutschland, bei dem ich dabei war, einfallen, bei dem es das gegeben hätte.

    »Unsere« sehr einfach Lösung der allgemeinen WarmUp-Party – sogar als Selbstzahler – hat sich sehr gut bewährt. Und ein kleines Extra Dankeschön für Speaker sollte in der Tat zum guten Ton gehören.

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